Resümee meines Lebens

Mit meinen nun 53 Jahren habe ich oft über meine vergangenen Jahre nachgedacht.

Ich lese und sehe Videos von Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, die über das Leben sinnieren. Sie denken nach vorn, ich denke mittlerweile nach hinten.

Ich weiß noch, was ich mit 20, 30 oder 40 Jahren dachte. Immer dachte ich, es wird schon weiter gehen, es wird schon noch etwas wirklich Gutes in meinem Leben passieren. Aber es passierte nicht wirklich.

Mit 20 Jahren war ich in einer damals 3-jährigen Beziehung, meine erste wirkliche Liebe, von der ich sicher war, sie würde ewig halten. Endlose Liebe, endloser Einsatz für den anderen, Planung der gemeinsamen Zukunft. Nach weiteren 4 Jahren war es für immer vorbei und ich fiel in ein Loch, weil alle meine Vorstellungen obsolet waren… Ehe, Kinder, etwas aufbauen, zusammen alt werden.

Mit 30 Jahren musste ich an meinem Geburtstag fegen, wie es damals üblich war, wenn man bis dahin nicht verheiratet war. Ich hatte eine Liaison mit einer Frau, die nie zu einer Beziehung reichen würde, hoffte aber, dass mein Leben bald besser und erfüllender werden würde.

Mit 40 Jahren und in meiner dritten ernsthaften Beziehung hoffte ich, dass ich ihre drei Kinder mit groß ziehen kann und damit eine Art Familienleben haben werde, welches ich mir immer gewünscht hatte. Die Beziehung endete 2 Jahre später.

Mit 50 Jahren fingen die körperlichen Probleme an, gepaart mit Problemen in der Arbeit, weil ich immer jeder Firma alles gegeben und mich dabei nie offiziell fortgebildet hatte, Seitdem fühle ich mich alt, obwohl ich geistig jung und fit bin. Aber das sehen weder die Firmen noch die Frauen in meinem Alter.

Was bleibt, sind regelmäßige Gänge zu den Ärzten und die Hoffnung, wenigstens eines der Leiden zu erleichtern, wobei mir wenig Hoffnung gemacht wird. Ich kann jetzt schon auf die Rente warten, denn ernst genommen werde ich nicht mehr.

Was bleibt noch in der Zukunft? Für einen Androidenkörper oder ein Einspeisen des Geistes in die Cloud ist es leider noch zu früh. Also wird es mit jedem Jahr schlimmer werden.

Wenn ich jungen Leuten einen Ratschlag geben kann, dann den:

Lernt und tut das, was euch am Herzen liegt. Ich würde bei einer zweiten Chance Astronaut, Archäologe oder Philosoph werden. Ich würde versuchen, mit meinen Mitteln den Menschen zu helfen.

Glaubt nicht, ihr müsstet “funktionieren”, ein Rad im großen Motor sein, welches perfekt arbeitet. Das dankt euch später Niemand.

Wenn ihr alt seid, könnt ihr nur von den Menschen zehren, die ihr gern habt und von den Dingen, die euch gut getan haben.

Ich habe immer für andere gearbeitet und gelebt und stehe nun allein da. Kein Chef, den ihr vor 10 Jahren mit eurer Arbeit glücklich gemacht habt, wird euch heute noch kennen und unterstützen. Ebenso ist es mit den meisten Ex-Beziehungen.

Lernt, liebt, (er)lebt. Nichts anderes ist wichtig im kurzen Leben eines Menschen.