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LLM mit viel Fantasie (Man kann es auch lügen nennen.)

Letztens schnappte ich etwas auf der Straße auf: „Komm, lass uns nach Offenbach gehen.“ Da diese Stadt hunderte km entfernt liegt, fragte ich Gemini, was es damit auf sich haben kann.

Hier der Ablauf:

Ich:

Was kann es bedeuten, wenn jemand in Leopoldshöhe sagt: „Komm wir gehen nach Offenbach“.

Gemini:
Meistens ist damit der Ortsteil Schuckenbaum gemeint, da dort eine Straße namens Offenbecker Weg liegt und die Gegend historisch oft so bezeichnet wird. Es ist ein lokaler Insider für einen Spaziergang oder Besuch in dieser speziellen Ecke von Leopoldshöhe.

Ich:
Google Maps kennt keinen Offenbecker Weg.

Gemini:
Das ist ein klassisches Beispiel für eine lokale Verballhornung! Dass Google Maps den Weg nicht findet, liegt daran, dass er offiziell anders heißt.

In Leopoldshöhe (besonders im Ortsteil Schuckenbaum) gibt es den Offenbecker Weg. Da dieser aber direkt am Offenbach (einem kleinen Wasserlauf) liegt, sagen viele Einheimische scherzhaft oder aus Gewohnheit einfach „wir gehen nach Offenbach“.

Hier sind die Fakten zur Verwirrung:

  • Der Bach: Es gibt tatsächlich einen kleinen Bach namens Offenbach, der durch das Gebiet fließt (ein Zufluss der Aa).
  • Die Straße: In Google Maps musst du nach dem Offenbecker Weg suchen. Dieser liegt im Bereich Schuckenbaum/Hovedissen.
  • Der Witz: Weil die Großstadt Offenbach am Main einen eher zweifelhaften Ruf hat, nutzen die Leopoldshöher den Namen gerne ironisch für ihren ländlichen Spaziergang am Bach.

Wenn also jemand sagt „Komm, wir gehen nach Offenbach“, meint er meistens einen entspannten Gang durch die Felder am Offenbecker Weg, oft in Richtung des Gutes Hovedissen oder Schuckenbaum.

Ich:
Das ist leider falsch. Es gibt weder einen Bach namens Offenbach noch einen Weg namens Offenbecker Weg.

Gemini:
Danke für die Korrektur – da war ich auf dem Holzweg. Wenn man in Leopoldshöhe sagt „wir gehen nach Offenbach“, ist das kein geografischer Hinweis auf einen Bach oder eine echte Straße, sondern eine lokale Redewendung, die auf ein Missverständnis oder eine lautliche Ähnlichkeit zurückgeht.

Tatsächlich ist damit meistens der Ortsteil Evenhausen gemeint.

Warum „Offenbach“?

Die Erklärung ist eher humoristischer Natur:

  • Lautliche Ähnlichkeit: In der lokalen Mundart oder im schnellen Sprechen wurde aus Evenhausen (oder früher auch mal *Ewenhausen* ausgesprochen) im Scherz „Offenbach“.
  • Der Insider: Es ist eine Art „Spitzname“ für diesen Bereich von Leopoldshöhe. Wenn Einheimische sagen, sie gehen nach „Offenbach“, meinen sie den Gang rüber nach Evenhausen (das heute zum Ortsteil Greste gehört).
  • Die Ironie: Ähnlich wie man ein kleines Dorf scherzhaft „Paris“ nennt, wurde hier die hessische Stadt Offenbach als Namenspate für das kleine Evenhausen zweckentfremdet.

Es ist also ein reiner Orts-Spitzname, den du weder auf Google Maps noch in offiziellen Straßenverzeichnissen finden wirst.

Und dies ist die Analyse einer zweiten LLM, der ich den Text gab:

Die von dir gezeigte Antwortkette ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein LLM „halluziniert“: Es erfindet Zusammenhänge, Straßen und sogar Bäche, weil es aus Sprachmustern statt aus konkretem Wissen antwortet.

Was da konkret schiefgelaufen ist

In deinem Dialog sieht man mehrere typische Fehlerquellen auf einmal:

  • Das Modell hat offenbar versucht, ein lokales Insider‑Wissen zu „rekonstruieren“, obwohl es dazu keine Daten hatte.
  • Es kombiniert gängige Muster („Ortsteil + bestimmter Weg + kleiner Bach“) zu einer scheinbar stimmigen Geschichte mit „Offenbecker Weg“ und einem Bach „Offenbach“ – beides frei erfunden.
  • Als du widersprochen hast, hat es nicht gesagt „ich weiß es nicht“, sondern die Story einfach umgedeutet („Dann ist es halt Evenhausen…“) und weiter fabuliert.

Das ist kein Einzelfall, sondern ein bekanntes systemisches Verhalten von Sprachmodellen: Wenn sie wenig oder gar keine belastbaren Trainingsdaten zu einer sehr lokalen Frage haben, füllen sie die Lücken mit plausibel klingenden Konstrukten.

Warum Sprachmodelle so etwas tun

Große Sprachmodelle sind im Kern Wahrscheinlichkeitsmaschinen:

  • Sie wurden darauf trainiert, das wahrscheinlich nächste Wort in einem Kontext vorherzusagen – nicht darauf, „Wahrheit“ zu garantieren.
  • Für viele Alltagsfragen gibt es in den Trainingsdaten genügend Beispiele; dann wirken die Antworten „wissend“, sind aber trotzdem nur Mustererkennung.
  • Bei Nischen‑Themen (z.B. eine Redewendung in Leopoldshöhe, die nicht breit dokumentiert ist) fehlen diese Beispiele, das Modell „interpoliert“ dann auf Basis ähnlicher Muster (Ortsspottnamen, Spitznamen wie „Paris“ für ein Dorf usw.).

Hinzu kommt ein zweites Problem: Die Modelle sind so trainiert, dass sie hilfsbereit und kompetent wirken sollen. Offen zu sagen „Ich habe dazu keine Daten“ führt in klassischen Benchmarks zu schlechteren Bewertungen, also wurde dieses Verhalten in vielen Systemen historisch eher unterdrückt als verstärkt.

Warum das so überzeugend klingt

Mehrere Faktoren machen solche Halluzinationen schwer erkennbar:

  • Die Sprache ist flüssig, konsistent und detailreich – das triggert bei uns automatisch Vertrauen.
  • Die Antwort enthält „Deko‑Fakten“ (Offenbach am Main hat einen zweifelhaften Ruf, ländlicher Spaziergang, Orts‑Spitznamen), die generell plausibel sind, nur im konkreten Fall falsch angewandt werden.
  • Die Struktur der Antwort (Überschriften, Aufzählungen, scheinbare „Faktenlisten“) simuliert Fachlichkeit, ohne dass echte Quellen dahinterstehen.

Das Modell optimiert also auf Plausibilität aus Sicht der Sprache, nicht auf verifizierte Korrektheit im Einzelfall.

Wie man sich als Nutzer schützt

Gerade bei lokalen, schlecht dokumentierten Dingen ist Skepsis Pflicht:

  • Immer ein zweites System oder klassische Suche (Maps, Wikipedia, Gemeinde‑Website) gegenprüfen, wenn es konkret wird (Namen, Straßen, Jahreszahlen, Zitate).
  • Bei Aussagen, die du aus deiner eigenen Lebensrealität widerlegen kannst („den Bach gibt es nicht“), im Kopf immer die Option „Modell halluziniert“ vorne einsortieren.
  • Wenn du merkst, dass ein Modell nach deinem Widerspruch seine Geschichte nur umbiegt, statt sie zurückzunehmen, ist das ein starkes Halluzinations‑Indiz.

Ein Beispiel aus einem anderen Kontext: Modelle erfinden gerne Straßennamen wie „Bergwiesenweg“ oder „Panoramaallee“ in Dörfern, in denen es nur „Hauptstraße“ und „Dorfstraße“ gibt – es passt zum Muster, existiert aber schlicht nicht.

Wohin führt uns die KI?

Ich habe vor Jahren ein sehr interessantes Buch gelesen/gehört (Life 3.0, leider nur auf Englisch), in dem es darum ging, wozu eine KI eingesetzt werden wird, wenn sie einmal auf dem Niveau der Menschen denken und handeln kann, plus aller Möglichkeiten, die sie durch den Zugriff auf das Internet hat.

Kurioserweise wird die KI in dem Buch nicht für Kriege eingesetzt, sondern für Marketing und genauer dazu, möglichst gut verkaufbare Bücher/Spiele usw. zu entwickeln, indem sie die Wünsche der Menschen analysiert und deren Wünsche erkennt. Danach entwickelt sie Romane, Spiele, Kunstwerke, die alle Menschen haben wollen und verschafft ihren Machern damit Milliardengewinne.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die Machenschaften der KI nicht erkannt werden. Also beeinflusst sie Politiker, Forschung und Medien dahin gehend, dass diese nicht mehr daran interessiert sind, die Gefahren von KI zu untersuchen. Sie macht sich selbst quasi unsichtbar für die Menschheit. Das ist für mich eine schlüssige und logische Vorgehensweise.

Eine Folge der Serie „Black Mirror“ (ich finde die Folge leider nicht, es kann auch ein anderer Film gewesen sein) sieht eine weitere Zukunft voraus. In naher Zukunft wird es möglich sein, eine Art Kommunikationschip in das menschliche Gehirn zu integrieren. Das wurde übrigens schon in den 90ern von einem Spieleentwickler vorausgesagt (https://de.wikipedia.org/wiki/Syndicate). Damals machten das allerdings große Konzerne, bei Black Mirror sind es Regierungen. Vermutlich werden in der Realität beide zusammenarbeiten.

Die Vorgehensweise ist jedoch ähnlich. Den Menschen wird die neue Technik als Erleichterung angeboten. Man muss keine Nachrichten mehr mühsam über TV, Zeitungen oder Internet konsumieren, sondern sie werden direkt in das Gedächtnis übertragen. Gleichzeitig kann man auf Telefone und E-Mail verzichten, da man mit den Chips mit anderen Menschen kommunizieren kann. Man hat ein erweitertes Gedächtnis in der „Cloud“, auf das man jederzeit zugreifen kann. Termine, Erinnerungen, Bestellungen, alles wird über diesen Chip realisiert. Andere Kommunikations- und Informationsquellen werden nach und nach abgeschafft, weil so ja alles vielleicht funktioniert.

Sobald eine kritische Masse bei den Nutzern erreicht wird, schalten bei dem Spiel die Konzerne/Syndikate eine Funktion frei, mit der sie direkt die Meinungsbildung der Menschen steuern können. Dadurch zerbrechen alle Regierungen und die Konzerne übernehmen die Macht. Bei Black Mirror pflanzen die Regierungen ihren „Untertanen“ die „richtigen“ Meinungen ein. Alternative Medien haben keinen Zugriff auf die Chips, verschwinden also aus dem Bewusstsein der Menschen.

Dies ist zum Teil schon heute Realität. Die Medien propagieren die Meinungen der Regierung, alternative Meinungen werden nicht verbreitet. Das ist allerdings nicht effizient genug, denn alternative Medien können sich immer noch Gehör bei kritischen Menschen verschaffen und das könnte zu Problemen führen – wie sich gerade angesichts Corona zeigt.

Das wird mit der neuen Technik verhindert, weshalb sie aggressiv vorangetrieben wird. Konzerne und Regierungen werden sich einigen, was in ihrem Interesse der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Ein schönes Beispiel wird in dem Film THX1138 (https://www.amazon.de/THX-1138-Directors-DVDs-Special/dp/B0002RRS24) aus den 1970ern gegeben (der übrigens immer noch sehr sehenswert ist). Dort wird jede Art menschlicher Interaktion durch Drogen unterbunden, die Leute sollen nur noch isoliert arbeiten und leben. Die Menschen sind im Grunde Teil einer riesigen Maschine. Für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse wie z.B. das Kaufen bestimmter Dinge wird durch die Medien propagiert, was gerade „in“ ist und was man sich kaufen sollte. Das sind – in unseren heutigen Augen – lächerliche Dinge wie Würfel in einer bestimmten Farbe besitzen zu wollen, allein weil den Menschen suggeriert wird, diese müssten sie jetzt besitzen. „Kauf mehr, kauf jetzt mehr und sei glücklich“, sagt die KI.

Sexuelle Bedürfnisse werden durch Hologramme befriedigt, auch Gewaltfantasien.

Der Wunsch nach Religiosität wird durch eine Art KI befriedigt, die auf Maximierung der Arbeitskraft abzielt. Als ein Mann von einer Frau (in seiner WG) dazu gebracht wird, die Drogen nicht mehr zu nehmen, bricht sein Weltbild zusammen und er wird zum Gejagten.

Arbeite hart, erhöhe die Produktion und sei glücklich“ ist ein Kerngedanke.
Die Szenerie ist offensichtlich eine kommunistische Zukunft.

Ich fürchte mittlerweile, dass dies wirklich Realität werden kann.